Schreibkraft
Heiner Frost

Maus macht Messer

Foto: Rüdiger Dehnen

Wolfgang Maus hat eine Philosophie. Es geht um Energien. „Das, was ich herstelle, hat eine Energie“, sagt er. Am Ende suchen die Dinge nach parallelen Energien. Ein „Pairing“ findet statt.

„Du musst Messer machen.“

Maus macht Messer. Und das kam so: Es war das Jahr 2007. Maus machte Urlaub in Schweden. Und wie es dann so ist: Man trifft einen Messermacher. (Scheherz!) Aber: Maus traf tatsächlich einen Deutschen, der schon lange in Schweden lebte und Messermacher war. Maus interessierte sich für das Handwerk – half ein bisschen mit: schaute dem Messermacher ( er hieß auch Wolfgang) über die Schulter und irgendwann sagte der: „Du musst Messer machen.“ Immerhin: keine Total-Utopie. Maus hat im ersten Leben mal Schreiner gelernt. Eine irgendwiefastperfekte Ausgangslage.
Wenn Maus Messer macht, ist nicht von den Klingen die Rede. Die lässt er sich schicken. Aus Schweden. Sein Lieferant: Stefan Broström. „Das ist einer der besten Klingenmacher in Schweden“, sagt Maus und zeigt Klingen, denen man ansieht, dass sie nicht von der Stange kommen.
Maus‘ Arbeit: Griffe und Scheide. Merke: Das Messer ist mehr als die Klinge.

Werkstatt

Griffe und Scheide machen – das ist schwieriger als es klingt. Wir gehen in die Werkstatt: Kreissäge, Bandsäge, Schleifmaschine. Dazu: die Materialien. Maus: „Das kann Holz sein, aber auch Horn.“ Maus macht keine Küchenmesser – nichts, was zum Kartoffelschälen geeignet wäre. „Ich mache das, was man Gürtelmesser nennt“, erklärt er. Und die werden benutzt von? „Jägern, Anglern, Campern, Gärtnern – eben von Menschen, die viel Outdoor unterwegs sind.“
An die 600 Messer hat Maus hergestellt. Was ihm wichtig ist: „Das sind alles Unikate.“ Verkauft werden sie beispielsweise auf Mittelalter- oder Handwerkermärkten. „Da stelle ich mein Handwerk vor und zeige meine Messer.“ Manche erwerben ein fertiges Stück – andere sehen Maus‘ Messer und äußern dann Wünsche. Maus: „So ein Messer ist dann eine sehr persönliche Sache. Ich vermesse zuerst einmal die Hand. Dann ist es natürlich wichtig zu wissen, ob der spätere Benutzer Rechts- oder Linskhänder ist.“

Wenn es passt

Ein Messer zu fertigen braucht Zeit. „Das macht man nicht auf die Schnelle“, sagt Maus. „Und bei mir ist es so, dass ich die richtige Stimmung brauche. All das hat mit der Energie zu tun, die am Ende in ein Werkstück fließt.“ Als Maus mal auf einem Handwerkermarkt war, kam ein Mann an den Stand. „Der hat sich – das sah man gleich – in eines der Messer verliebt. Er ging dann wieder weg, kam später noch mal wieder, ging wieder weg und kurz vor Ende des Marktes kam er und sagte: ‚Ich muss dieses Messer haben‘. Er hat es dann tatsächlich gekauft und ich habe gespürt: Da passen zwei zusammen.“

Klick

Apropos kaufen. Was kostet denn ein Maus-Messer? Natürlich gibt es keine Pauschale. „Das fängt bei circa 200 Euro an und kann auch bis zu 1.000 Euro hoch gehen.“ Kein Wunder: Allein die Klingen aus Schweden haben dreistellige Stückpreise. Dazu kommen am Ende etliche Arbeitsstunden.
Dann der Blick in die Kollektion: Beeindruckend. Schnell wird klar, dass Maus‘ Handwerk einen Vornamen hat: Kunsthandwerk. Maus zieht Messer aus den Scheiden – steckt sie zurück. „Ganz wichtig beim Zurückstecken ist, dass es ‚Klick‘ macht. Die Klinge muss fest in der Scheide sitzen. Sie darf auf keinen Fall rausrutschen.“ Was übrigens das Schleifen einer Klinge angeht, sagt Maus: „Das ist schon wieder eine Kunst für sich. Ich kann den Menschen natürlich Tipps geben, aber für einen perfekten Schliff sollten Experten ran.“
Übrigens sucht Wolfgang Maus einen Nachfolger. „Das müsste jemand sein, der Spaß am Kreativen hat und handwerklich begabt ist. Dem würde ich zeigen, wie es funktioniert und der könnte dann irgendwann mein Nachfolger werden.“ Wer Interesse (auch an Messern) hat, kann sich unter der Emailadresse womaus@ gmail.com an Wolfgang Maus wenden.

Foto: Rüdiger Dehnen