Klaus Franken? Da fallen mir spontan mal zwei Dinge ein: Linolschnitte mit Texten und das Jahresende. Meist erscheint im Spätherbst ein neues „Poems on Linoleum“, aber …
… im letzten Jahr hatte Franken angekündigt: „Das sind wahrscheinlich meine letzten ‚Poems on Linoleum‘.“ Trauerschweigen beim Rezensenten, denn mit Klaus Franken ist einer unterwegs, der immer wieder mal den Spiegel auspackt und ihn hinhält: Da sieht man dann sich und die Welt. Und damit soll Schluss sein? Naja – nicht so ganz, denn mitten im Fußballsommer ´26 wäre da dieses Buch: „Das Om Buch“. Das was? Das Om Buch. Untertitel: Tom kommt – komprimierter Zombieroman. 20 Linolschnitte handabgezogen. 30 Exemplare.
Der Nomade Tom
Unter „Wichtige Vorwörter“ liest man: Der Sommer kommt und mit ihm kam der Nomade Tom.“ Es vorwörtelt weiter, aber Spoilern will man nicht zu viel. Zurück zum Om. Sagen wir es so: Manchmal gibt sich Freiheit erst zu erkennen, nachdem Grenzen gesteckt werden. Das klingt paradox. Ist es aber nicht unbedingt. Da hat einer ein Buch geschrieben, das einer Regel folgt. Ein Beispielsatz macht es klar: „Automatisch trompetet Omas kompakte Kommode.“
Wenn der Groschen fällt
Der Groschen fällt. Darum also heißt es „Das Om Buch“. Man denkt an „Anton Voyls Fortgang“. 1969 erschien dieses Buch von Georges Perec. Der deutsche Text enthält eines nicht: den Buchstaben ‚e‘. Na und, denkt man und merkt schnell, dass allein der gerade ablaufende Satz einiges an ‚E‘ zu bieten hat. Zwölf sollten es sein.
Sprachartistik
Franken hat sich also entschieden, ein Om Buch zu schreiben. Immerhin: Nichts muss wegfallen. aber alles muss Ommen. Franken, der Sprachartist, der den Bromfietskommissar erfindet. Pompös irgendwie.
Kettensprenger
Man muss das lesen – sich versenken; der Om-Spur auf den Leim gehen; miterleben, wie da einer zum Kettensprenger wird. Man entkommt mit Tom zum Bommelkometen, trifft einen dominanten Domdompteur und den Kommissar Klompendans. Ein Endlosspaß in graugreller Sommerhitze. Da legt sich einer selbst in Handschellen, um dann wie Houdini quasi vor dem Weltenauge aus der selbsgewählten Fesselung zu schweben.
Elexier
Das Buch: ein Stück Handwerkskunst – eigentlich irgendwie unbezahlbar. Man schätzt sich glücklich, es zu haben. Zusammen mit den Poems on Linoleum steht es auf dem Rettungsplatz im Regal. Dorthin strebe ich an schwarzen Tagen – lasse mich erleichtern. Freue mich an den Produkten aus dem Lebens-Atelier. Manchmal ist Franken der Einbremser vor dem Abheben – ein anderes Mal der Wiederaufbauarchitekt für eine wundgelegene Seele. Franken, der Dompteur für das Übersehene. Franken, der Alchemist fürs Wunderbare. Kein Weltendoktor – eher ein Chefpfleger. „Sieh einfach genau hin”, sagt er. Oder: „Nimm dich nicht zu wichtig.” Und gleichzeitig sagt er: „Ohne dich geht es nicht.” Franken restauriert aus dem vom Alltag längst verdünnten Leben das Grundelixier. Irgendwie völlig unspektakulär entstehen Frankens Schönigkeiten. Am Ende verneigt man sich. Wieder was gelernt.
