Emine Polat ist zum zweiten Mal in den Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration gewählt worden. Die 53-jährige Mutter von vier Kindern lebt seit 51 Jahren in Deutschland. Aufgewachsen ist die Tochter kurdischer Türken in Berlin. Sie hat sei 1991 die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt seit über 20 Jahren in Kleve. Polat ist seit mehr als 25 Jahren Mitglied der SPD.
Das politische Instrument des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration hält Polat für „sehr wichtig“. Sie habe sich auch jetzt wieder aufstellen lassen, „um etwas zu erreichen für die Menschen mit Integrationshintergrund.“ Wenn Polat auf die vergangene Sitzungsperiode zurückblickt, ist ihr vor allem wichtig, „dass wir es geschafft haben, dass in Kleve jetzt Muslime nach ihrem Ritus beerdigt werden können“. Wichtig: Diese Möglichkeit ist ein enormer Fortschritt für die Angehörigen der Verstorbenen.
Ein weiterer Antrag aus dem Ausschuss wurde vom Rat der Stadt leider negativ beschieden. Polat: „Wir hatten den Antrag gestellt, dass es im Sternbuschbad die Möglichkeit geben sollte, einmal im Monat einen Frauentag einzurichten.“ Man solle, so Polat, „nicht denken, dass ein solches Tag nur etwas für Muslima ist. Ich werde in jedem Fall versuchen, die Antrag nochmals einzubringen.“
Und wie sieht es beispielsweise mit regelmäßigen Sprechstunden seitens des Ausschusses aus? Polat: „Ich halte das für sehr wichtig. Es wird zwar oft gesagt, dass man sich heutzutage leicht digital in Verbindung setzen kann, aber ich glaube, dass es Gesichter braucht und richtige Gespräche. Manche Migranten haben ja anfangs auch Schwierigkeit mit dem Lesen und Schreiben.“ Auf Polat trifft das – sie lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Deutschland – nicht zu, aber die Frau mit dem Kopftuch erlebt „draußen“ oft genug Ausgrenzung und herablassende Bemerkungen. „Die Menschen sehen ja erst einmal das Äußere – da hast du noch kein Wort gesprochen und steckst schon in einer Schublade.“
Zurück zur Sprechstundenidee: Irgendwann habe sie erfahren, „dass dem Ausschuss sogar ein Raum in der Volkshochschule zusteht.“ Sie persönlich fände es besser, einen Raum im Rathaus zu haben.
Und was sieht Polat als die zentrale Aufgabe des Gremiums an? „Wir sind dafür da, die Bedürfnisse der Migranten in den Rat zu tragen und deren Wünsche dort hörbar zu machen.“ Eben diese Bedürfnisse ließen sich, so Polat, „am allerbesten im direkten Kontakt mit denen in Erfahrung bringen, um die es geht. Das ist mir wichtig. Dafür bin ich angetreten.“
