Schreibkraft
Heiner Frost

Bitte recht freundlich!

Rüdiger Dehnen

Einfach kann jeder. Fangen wir also kompliziert an und stellen vor: Oryctolagus cuniculus f. domestica. Und dann wäre da noch der Grundmann Tobias. Kaninchen mit Gefährdungsstatus auf der einen Seite, 39-jähriger Ex-Prinz (2018/19) auf der anderen Seite. So weit, so gut.

Lux, Luchs

Nachzutragen wäre ein merkbarer Name kaninchenerseits. Et voilà: Luxkaninchen. Und obwohl sich Lux lateinisch liest und Lichtgedanken oder Gedanken an eine Lichtgestalt freisetzt, müsste das Luxkaninchen eigentlich Luchskaninchen heißen, denn beim Namen soll es um Farbanklänge an den Luchs (Gattungsname:  Lynx) gehen. Geschenkt.

„Das habe ich mir selbst ausgesucht.“

Tobias Grundmann ist – seit letzten Herbst – Kaninchenpate im Klever Tiergarten. Grundmann ist verheiratet, dazu kommen also Ehefrau, zwei Kinder, ein Hund … und … die Patenschaft. „Ich bin seit Herbst letzten Jahres Pate. Damals war gerade das Lux-Kaninchen-Gehege fertig geworden.“ Vorher gabˋs bei Grundmanns das eine oder andere Hauskaninchen – jetzt gibt es den einen oder anderen Patenschaftsbesuch im Tiergarten. „Wir waren und sind regelmäßig hier“, sagt der Ex-Prinz und er sagt auch, dass die Patenschaft kein Geschenk war. „Das habe ich mir selbst ausgesucht.“ Und eigentlich steht jetzt schon fest, dass Grundmann die Patenschaft verlängern wird. Klingt gut.

Filmkunst

Das war der unkomplizierte Teil der Geschichte. Wie wärˋs mit einem Foto: Pate und Kaninchenprinzessin? Muss sein. Also: auf zum Gehege. Dort stellt sich schnell heraus, dass Wunsch und Wirklichkeit in Opposition treten. Cuniculus domestica will nicht wie Fotograf, Prinz und Tierpfleger es gern hätten. Der Rüdi – das wäre dann der Fotograf – hätte das Kaninchen gern von vorn. Den Ex-Prinz auch. Problem: Die Lux-Damen halten sich nicht ans Drehbuch. Vielleicht, sagt Pfleger Dietmar, gehtˋs ja mit Futter. Ich denke an Marlon Brando: „Ich habe ihm ein Angebot gemacht, dass er nicht ablehnen konnte.“ Leider haben die Lux-Damen den Film nicht gesehen.

Traumbild

Schnell sind 20 Zuwarteminuten vergangen. Aber dann: Eine der Prinzessinnen nähert sich und frisst – der Ex-Prinz lässt seinen Charme spielen – dem Paten aus der Hand. Jetzt also gilt`s: Bitte recht freundlich. Ein paar Regieanweisungen vom Fotograf und nach circa 50 Versuchen ist von einem Traumbild zu berichten. Ex-Prinz von vorn, Kaninchen von vorn. Alles super. Der Pate muss dann auch so langsam wieder los. „Haben Sie noch Fragen?“, fragt er. Nö. Eigentlich nicht. War ein schöner Termin. Hoher Spaßfaktor. Ein finaler Gruß unter Tierpaten: „Wir sehen uns dann beim Patenfest.“ Abgemacht.