
Frag nach bei Google. 4.090 Treffer meldet das Internet. Ungefähr. Dabei kann man ihn selber treffen. Ausstellungseröffnung im Siep. Prangenberg ist da. Gerade noch in Bayern, jetzt in der Galerie Ebbers - als Begleiter seiner Bilder. Selbstinterpretation ist seine Sache nicht. Warum auch? Prangenberg malt.
Das Öl hat seine Bilder kleiner gemacht, sagt der Künstler. In der Tat: Großformatiges ist nicht zu sehen. Großes allemal. Prangenberg ist angetreten, sich die Malerei neu zu erfinden. Nicht der Welt, nicht der Wissenschaft: Sich. Und wenn er über die Bilder spricht, spricht er eigentlich nicht über sie. Er spricht über die Farbe. Das Suchen. Die Konturen. Über die Quadratur des Bildes, das kein Kreis ist.
Auf den Leinwänden Reliefs aus Öl. Es fällt ihm auf, dass,was hier hängt, nicht Variationen über ein Thema zu nennen wäre. Er wünscht sich, dass trotzdem ein Bogen - eine innere Einheit zu erkennen ist. Ein bisschen erinnert Prangenberg an eine Guarneri: In der Hand des Spielers erwacht das Holz. Wenn Prangenberg malt, malt er natürlich selber. Niemand diktiert ihm - die Farbe vielleicht. Und das Material. („Das Öl macht meine Bilder kleiner.“) Aber - ganz wie die Guarneri - kann Prangenberg dem fertigen Bild - der gespielten Musik also - nichts Erklärendes abringen. Wenn er der Erklärer wäre, würde er schreiben. Aber er malt. Und hört. Prangenberg und die Musik. Prangenberg und - sagen wir - die Winterreise. Die Erkenntnis: Einer wie Prangenberg malt nicht - er instrumentiert die Leinwand. Das Ergebnis: Verfestigte Improvisation. „Diese Stelle hier“, sagt er und zeigt auf etwas, das aussieht wie eine weiße Sonne, „diese Stelle gefällt mir besonders.“ Die weiße Sonne im Siep hat Strahlen - ein bisschen wie eine Sonnenblume sieht sie aus - eine Blume, die im Erfrieren erst ins Leben gefunden hat. (Die instrumentierte Leinwand.)
Was sagt der Künstler: „Ich mache mir da erst mal keine Gedanken. Ich fange an, in den Farben zu wühlen. Manchmal habe ich auch eine Farbe im Kopf. Neulich wollte ich ein Bild erweitern. Blau. Dann hatte ich kein Blau und habe was anderes genommen. Danach musste ich den Rest des Bildes wieder anpassen. Wenn ich male, denke ich nicht über die Symbolik der Farben nach. Ich lande irgendwann bei einem Motiv. Es ist dann wie in der Musik. Das brauche ich. Das ist dann eine Art Form. Da läuft Vieles zusammen.“
Das Motiv der Ausstellung - vielleicht: Bild im Bild. Auf vielen Leinwänden taucht es auf. Auftauchen ist ein schönes Wort, für das, was Prangenberg dem suchenden Auge zu schenken hat. Bilder, die aus der Distanz fast dreidimensional wirken. Bilder, die eine Geschichte in der Geschichte zeigen, ohne Worte zu verwenden.
„Früher habe ich mal in einer Band Gitarre gespielt. Ich liebe Musik, aber mit dem Hören habe ich ein Problem. In der Band habe ich immer den zweiten Gitarrist angesehen. Wenn der nickte, habe ich den nächsten Akkord gespielt. C, F, G C. Hätte der nicht genickt, wäre ich eine Stunde lang in C-Dur geblieben. Bei der Farbe ist das anders.“ Ganz bestimmt! Prangenberg weiß genau, wann er die Tonart zu wechseln hat - wann er dem Motiv ein zweites gegenüberstellt. Prangenberg beherrscht den Kontrapunkt der Farbgebung. Seine Bilder glühen wie eine Fuge vom alten Bach. Nimmt man einen Ton weg, bricht das Gebäude zusammen. Alles kann nur so sein, wie es ist. Es gibt nichts zu Verbessern. Trotzdem kommt einem nichts Gewollt-Wirkendes ins Gehege. Nichts Starres. Keine Didaktik des Malens. Kein Farbkanon.
Prangenbergs Bilder - eine ruhige Führung durch das Terrain des Möglichen. Da leuchtet seine Sonne im Siep. Und das Siep hat keine Maschen. Nichts fällt durch. Das Siep, das sich mit -p- schreibt, ist kein Filter, sondern eine Adresse ist. Trotzdem gilt es, der kleinen Galerie zu attestieren: Gefiltert wird am Ende doch. Und Prangenberg ist der Beweis, dass nur Qualität durchgelassen wird. 4.090 Treffer im Netz. Alles virtuell. Ein Treffer im Siep: Prangenberg. Ein Komponist mit Farbklang.