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Heiner Frost

Geschäftsausstattung für Düsseldorf

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Braucht Angela Merkel eigentlich Visitenkarten: Wahrscheinlich eher nicht. Wer sie nicht kennt, hat ohnehin verloren, und die Handynummer gibt`s bei der CIA. Und wie sieht es mit Autogrammkarten aus? Vielleicht. Bestimmt.


Wie wär‘s mit der ganz üblichen „Geschäftsausstattung“? Was das ist? Naja, Briefpapier, Briefbögen. All das könnte die Kanzlerin beispielsweise bei der Druckerei der Justizvollzugsanstalt Geldern bestellen. Natürlich würde „Mutti“ wohl nicht selber anrufen. Für so was gibt es Bedienstete.
Aber: Es muss ja nicht Berlin sein. Wie wär‘s mit Düsseldorf? Neue Regierung – neue Geschäftsausstattung. Läuft da was? Peter Wasser ist Chef der Druckerei der JVA Geldern. Wasser ist „Justizvollzugsbeamter im Werkdienst“. Bedeutet: Er hat, bevor er in den Vollzug ging, was anderes gelernt – hat einen Meister als Medientechnologe Druck. Am 1. Juli 1997 fing er in Geldern an, 2012 übernahm er die Leitung des Betriebes, in dem außer ihm elf Kollegen und zwei Kolleginnen arbeiten – alle haben natürlich eine „passende“ Berufsausbildung: Mediengestalter, Drucktechnologe Druck, Medientechnologe Druckverarbeitung.
Zurück zum Thema? Wo wird gedruckt, wenn in Düsseldorf „Geschäftsausstattungen“ gebraucht werden? „Zum Beispiel bei uns“, sagt Wasser. Zeitnah nach der letzten Wahl hat es erste Gespräche gegeben. Wasser: „Da ruft dann beispielsweise jemand aus einem Ministerium an, und für unsgeht es darum, auf Nachfrage eine bestimmte Leistung anzubieten.“ Justizvollzugsanstalten gehören zu den sogenannten „bevorzugten Bietern“. Außer in Geldern wird auch in den JVAen in Bochum und Willich gedruckt.
In Sachen „neue Regierung“ sind schon zwei Aufträge in Geldern gelandet. Zu nennen wären die Staatskanzlei und das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.
Wasser: „Es kommt ja nicht selten vor, dass sich mit einer neuen Regierung auch der Zuschnitt einzelner Ministerien ändert.“ Aus dem ehemaligen „Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport“ ist das „Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration“ geworden und es gibt ab sofort ein „Ministerium für Kultur und Wissenschaft“. (Natürlich haben alle Ministerien noch einen Nachnamen und der lautet „des LandesNordrhein-Westfalen“. Das einstige Justizministerium heißt jetzt (Achtung!) „Ministerium der Justiz“. Die Folge: Alles, was einen Briefkopf hatte, muss geändert werden. Auch Minister und Staatssekretäre wollen nicht wirklich Vorgängerbriefköpfe benutzen.
Längst arbeitet „JVA Geldern druck+medien“ die ersten Aufträge ab. 1.000 Grußkarten für das Wirtschaftsministerium – 500 für den Chef, 500 für den Staatssekretär. Dazu: Briefumschläge – 250 mit Fenster, 250 ohne: Dazu kommen die Briefbögen. Und tatsächlich werden bisweilen auch Autogrammkarten fürs Spitzenpersonal geordert. Peter Wasser erinnert sich an Karten für den Ex-Justizminister Thomas Kutschaty, die Ex-Ministerpräsidentin, Ex-Chefin im Ex-Ministerin für Familie, Jugend, Kultur und Sport.
Und wie war das jetzt: Braucht der neue Landesvater eigentlich Visitenkarten? Peter Wasser weiß es nicht. Man kann nicht jeden Auftrag im Kopf haben. Visitenkarten werden jedenfalls reichlich geordert. „Häufig drucken wir auch Visitenkarten für Delegationen, die ins Ausland reisen.“ Da kann es dann vorkommen, dass auf der Visitenkartenrückseite chinesische Schriftzeichen auftauchen. „Das bekommen wir dann natürlich druckfertig geliefert“, sagt Wasser. Chinesich-Kenntnisse sind im Betrieb (auch bei den 65 bis 70 Gefangenen, die in der Druckerei arbeiten) eher nicht an der Tagesordnung.
Wird der Regierungswechsel für weitere Aufträge sorgen? Immerhin müssen zwölf Ministerium mit „dem Nötigsten“ versorgt werden. „Klar, das würden wir uns wünschen“, sagt Wasser. Natürlich arbeitet „Druck+Medien“ nicht nur für „Regierungskreise“. Auch ganz normale Kunden bestellen in der JVA. Das können Vereine sein oder Handwerksbetriebe. Peter Wasser: „Auch da geht es dann um Geschäftsausstattungen, aber auch um Flyer, Prospekte oder Bücher – das sind dann oft Chroniken – und Plakate.“ Eine zeitlang wurde in Geldern auch für den Bundestag gedruckt. Wasser: „Das ist derzeit nicht der Fall.“ Zu den Kunden gehören aber auch andere Behörden wie beispielsweise die Polizei.
Wer demnächst Post vom neuen Wirtschaftsminister bekommt, weiß dann, wo des Ministers Briefkopf gedruckt wurde. Und wie gesagt: Es können ja noch andere Ministerien in Geldern anfragen. Wo „Mutti“ drucken läss? Man müsste mal im Kanzleramt anrufen.

 

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